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begriffe:energie

Energie

Auch: Energieerhaltungssatz

Siehe auch: Arbeit, Kraft

Artikel von Ernst Müller


altgri. ἐνέργεια engl. energy
franz. énergie Gegenbegriffe
Unterbegriffe energisch, energisieren
Wortfeld Aktivität, Ausdauer, Entschlossenheit, Kraft, Vitalität, Energieerhaltungssatz, Energetik, Energieressourcen, Umwandlung, Dynamik

Disziplinäre Begriffe

  • Allgemein: Gebraucht im Sinne von Potenz (wirksame, (immanente) Kraft); 'Vermögen' (physische Vitalität).
  • Rhetorik: Gebraucht im Sinne von Ausdruckskraft, Deutlichkeit (Emphase), Nachdruck.
  • Physik: Physikalische Größe, für die im System gespeicherte Arbeit oder die Fähigkeit des Systems, Arbeit zu verrichten.
  • Philosophie: Seit Aristoteles ist 'Energeia' ein zentraler Begriff zur Bezeichnung des Realen im Gegensatz zum bloß Möglichen.
  • Physiologie: Energiestoffwechsel; Leistungsvermögen.
  • Rechtswesen: Metaphorischer Gebrauch im Strafrecht: 'kriminelle Energie'.

Artikel

Energie

‚Energie‘ beschreibt in der Physik die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten. Doch nicht der Begriff der Energie selbst löst Mitte des 19. Jahrhunderts eine epistemische Revolution aus, sondern das mit ihm entdeckte Gesetz der ‚Erhaltung der Energie‘. In allgemeiner Formulierung besagt es, dass in einem geschlossenen System die Summe der zugeführten Energie gleich der Summe der abgegebenen Energie ist (1. Hauptsatz der Thermodynamik). Damit gilt zugleich das Perpetuum mobile als theoretisch widerlegt: keine Maschine kann mehr Energie erzeugen als ihr zugeführt worden ist. Eine noch stärkere kulturelle oder weltanschauliche Bedeutung gewinnt der 2. Hauptsatz: Nicht alle Energieformen können beliebig ineinander überführt werden. In einem geschlossenen System verwandelt sich letztlich alle Energie in nicht mehr arbeitsfähige Wärme (Entropie).
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird ‚Energie‘ zu einem physikalischen Begriff. Zugleich werden mit ihm die einzelnen Gebiete der Physik miteinander theoretisch verbunden und eine Reihe von Wissenschaften physikalischen Methoden unterworfen bzw. überhaupt erst als Wissenschaften etabliert. Mit dem Energieerhaltungssatz als oberstem Gesetz der Naturwissenschaft wird die Physik zur Leitwissenschaft. Im Energiebegriff koinzidiert ingenieurstechnisches, physiologisches, chemisches, physikalisches und ökonomisches Wissen der Zeit.
Wenn der Begriff Anlass zu zahlreichen weltanschaulichen Reflexionen bot, dann nicht zuletzt deshalb, weil die ‚Entdeckung‘ dieser Tatsache selbst auf das Engste den ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen des aufsteigenden Industriekapitalismus korrespondierte; eine konsequente Trennung von ‚Sachgeschichte‘ und kultureller Semantik lässt sich daher kaum aufrechterhalten. Die Entstehung des Begriffs ist ohne die Ökonomisierung des Menschen, die Rationalisierung der Arbeit sowie die Entwicklung effizienter Maschinen und ihrer Antriebe kaum denkbar. Weil verschiedene Disziplinen und Praktiken an der Genese beteiligt sind, aber auch, weil Wort, Begriff und Terminus eine ungleichzeitige Entwicklung aufweisen, lassen sich die mit dem Energiebegriff verbundenen semantischen Umbrüche nur interdisziplinär und unter Einbeziehung eines breiteren Wortfelds (Umwandlung, Lebenskraft, Wärme, Kraft, Arbeit, Entropie, Wärmetod, Dispersion etc.) beschreiben. Die Verquickung von weltanschaulichem Bedürfnis und wissenschaftlicher Evidenz lässt ‚Energie‘, vergleichbar nur solchen naturwissenschaftlichen Begriffen wie Zelle und Evolution, zu einem Schlüsselbegriff des 19. Jahrhunderts werden. ‚Energie‘ ist Beispiel dafür, dass naturwissenschaftliche Begriffe an die Stelle universalistisch-philosophischer treten. Natürlich liegen auch diesen Begriffen philosophisch-theoretische Annahmen zugrunde, aber legitimiert werden sie empirisch-experimentell und mathematisch. Der Energiebegriff ist nicht nur Ausdruck dieses diskursiven Wandels, sondern zugleich wesentliches Moment seiner Etablierung.
Die Situierung des Begriffs in einem weiten Netz von Bedingungen kann vielleicht erklären, warum der Begriff nahezu gleichzeitig und unabhängig voneinander entdeckt wurde (v. a. von Julius Robert Mayer, James Prescott Joule und Hermann von Helmholtz). Thomas Kuhn, der im Satz der Energieerhaltung das eindrucksvollste Beispiel einer gleichzeitigen Entdeckung sieht, benennt zwischen 1842 und 1847 zwölf Forscher, die wesentliche Momente des Begriffs gefunden haben.1)
Die Geschichte des Energiebegriffs ist bereits Teil des Energiediskurses um 1900: im (nationalistisch gefärbten) Streit um die Priorität seiner Entdeckung rekonstruierten schon zeitgenössisch die Protagonisten dessen Geschichte, bedeutende Physiker (von Helmholtz über Wilhelm Ostwald bis Werner Heisenberg, Heinrich Hertz und Max Planck) vergewisserten sich der Bedeutung des Satzes über seine Genese. Seit Ernst Mach ist das Äquivalenzgesetz auch ein Paradigma, an dem Wissenschaftshistoriker ihre Methoden erproben.2) Während (durchaus instruktive) lexikalische Begriffsgeschichten den Begriff eher ressortmäßig untersuchten,3) haben erst jüngere Arbeiten Verbindungen zwischen den naturwissenschaftlich-technischen und kulturell-gesellschaftlichen Aspekten des Begriffes, zwischen den Begriffen der Energie und der Arbeit offengelegt.4)

I. Erhaltung und Umwandlung vor dem Energiebegriff

Ideengeschichtlich war es vor allem die in verschiedenen Wissenschaften begründete Figur der Erhaltung, die dem Begriff der Energie vorausging: bereits Descartes hatte die Erhaltung aller in der Welt existierenden mechanischen Kräfte postuliert. Wenn auch Leibniz davon spricht, dann fehlt bei ihm der Aspekt der Umwandlung: Da Körper nicht miteinander kommunizieren, ist das Universum ein System von Körpern, das in sich immer dieselbe Kraft enthält. Das Prinzip der Erhaltung war aber auch seit Antoine Laurent de Lavoisiers Ersetzung der Phlogistontheorie durch das Gesetz der Massenerhaltung prominent. Robert Mayer dachte Lavoisiers Gesetz und seinen Energieerhaltungssatz nur als unterschiedliche Ausdrücke ein und derselben Beziehung von Ursache und Wirkung. Wie es immer wieder Antizipationen der Energieerhaltung gab, so auch die Intuition um die Unmöglichkeit des Perpetuum mobile; die französische Akademie der Wissenschaften entschied schon 1789 keine diesbezüglichen Patente mehr anzunehmen.
Auch wenn sich die Protagonisten der Entdeckung des Äquivalenzgesetzes gegen die Naturphilosophie profilierten, so hat die romantische Idee einer einheitlichen, die ganze Natur durchwirkenden Kraft eine anhaltende Faszinationsgeschichte. 5) In Über die Weltseele (1798) nimmt Schelling die Welt als Einheit und Widerstreit einer stabilen und unzerstörbaren positiven und negativen Kraft an. Sein Stufenbau vom Niederen zum Höheren (Licht, Magnetismus, Elektrizität, Chemismus, Organismen) erscheint geradezu wie ein Forschungsprogramm für Prozesse der Umwandlung. Luigi Galvanis Aufsehen erregende Froschschenkel-Experimente hatten schon 1791 die ‚Lebenskraft‘ mit elektrischen und magnetischen Kräften in Verbindung gebracht, Alessandro Voltas Erfindung der Batterie Zusammenhänge zwischen Elektrizität und chemischer Affinität und Wilhelm Herschels Entdeckung der Infrarot-Strahlung Beziehungen zwischen Licht und Wärme gezeigt. Johann Wilhelm Ritter entdeckte die chemische Wirkung des Lichtes, Hans Christian Oersted die magnetische Wirkung des elektrischen Stromes, Hymphry Davy die Wärme- und Lichterzeugung durch elektrischen Strom, August Seebeck die Verwandlung von Wärme in Elektrizität und schließlich Michael Faraday die Verwandelbarkeit von Magnetismus in Elektrizität (1831). Die romantischen Experimente der Umwandlung der geheimnisvollen Qualitäten zielten nicht auf industrielle Nutzung und waren zeitgenössisch ohne ökonomische Bedeutung.
Es waren es vor allem zwei andere Diskurse, in denen – gleichermaßen entgegen der romantischen Naturphilosophie wie abseits der Physik – der Energieerhaltungsgesetz begründet wurde: Die Physiologie und die sich mit ‚Wärmemaschinen‘ (Dampfmaschinen, Lokomotiven) beschäftigenden Ingenieurwissenschaften. Beide Felder hängen sachlich eng zusammen. In beiden geht es um Wärme und deren Umwandlung in mechanische Kraft.

II. Gleichzeitige Entdeckung der Energieerhaltung

Sowohl Mayer wie auch Helmholtz fanden das Gesetz nicht in der Physik, sondern über den Umweg der Physiologie. Der schwäbische Oberamtswundrat (und physikalische Autodidakt) Mayer hat selbst seine Beobachtungen als Schiffsarzt als Ausgangspunkt seines Nachdenkens über den Erhaltungssatz benannt. Er stellte im wärmeren Klima den geringen Unterschied in der Farbe des arteriellen und venösen Blutes bei erkrankten Matrosen fest und erklärte ihn durch einen geringeren Sauerstoffverbrauch des Organismus im Stoffumsatz. Wie Mayer war auch Helmholtz lange Jahre Physiologe und Mediziner, genauer Chirurg, bevor er 1871 eine Physikprofessur in Berlin erhielt. Wenn Helmholtz (wie auch Mayer) über Fäulnis und Gärung, den Stoffverbrauch bei Muskelaktionen und physiologische Wärmeerscheinungen arbeiteten, so richteten sich ihre Überlegungen gegen die Theorie der Lebenskraft (vis vitalis). Helmholtz gehörte zu denjenigen Schülern Johannes von Müllers, die – mit Emil du Bois Reymond an der Spitze – dagegen einen physikalisch-chemischen Reduktionismus geltend machten. Auch wenn die ‚Lebenskraft‘kaum so explizit und emphatisch gebraucht wurde, wie du Bois-Reymond unterstellte, so lag sie doch zeitgenössischen Auffassungen vom Organismus implizit oder als Platzhalterbegriff zugrunde.
Das entscheidende ‚Denkhindernis‘ auf dem Weg zum Energieerhaltungssatz war aber die Theorie eines unwägbaren materiellen Wärmestoffs, wie sie noch (als ‚calorique‘ bezeichnet) von Lavoisier vertreten wurde. Es war nur ein anderer Ausdruck für Mayers Entdeckung von 1842, wenn er als deren „große Wahrheit“ hervorhob: „Es gibt keine immateriellen Materien.“6) Für den Begriff der Energie waren drei Erkenntnisse Mayers wesentlich: Erstens erkannte er die Wärmemenge als weitere Kraft neben der kinetischen und potentiellen. Zweitens wies Mayer nach, dass sich Wärme („(d)iese dritte Kraft, deren Wirkungen unser Jahrhundert mit Bewunderung erblickt“) in andere Energieformen umwandeln lässt.7) Er abstrahierte dabei von der Frage, was bestimmte Energieformen seien oder wie ihre ‚Metamorphosen’ ineinander vor sich gehen und konzentrierte sich auf rein quantitative Fragen. Mittels Versuche über die Verbrennungsprozesse im menschlichen Körper gelang es Mayer, Lavoisiers ‚Kalorien‘ in den quantitativen Wert des mechanischen Wärmeäquivalents aufzulösen (365 kpm = 1 kcal). Nahezu gleichzeitig, aber unabhängig von Mayer hat 1843 Joule, der sich mit der Effizienzsteigerung von Antriebsmaschinen beschäftigte, das Wärmeäquivalent methodisch präziser berechnen können. Aus der Erzeugbarkeit der Wärme durch mechanische Bewegung folgerte Joule, dass Wärme selber mechanische Bewegung sein müsse. Drittens stellte Mayer die These auf, dass die Summe aller Energieformen in einem abgeschlossenen System konstant sei. Mayer hat sein neues Gesetz auf weitere, insbesondere physiologische Prozesse bezogen (Arbeitsleistung der Muskeln, Fieber, Atmung etc.) und die Vorstellung entwickelt, dass der lebendige Körper eine Art Maschine sei, die die chemische Energie der Nahrungsmittel in eine äquivalente Menge von mechanischer Energie und Wärme umwandle. Damit wurden Unterschiede in der Funktionsweise menschlicher und tierischer Körper verworfen.
In der physikalischen Gemeinde blieb Mayer die wissenschaftliche Anerkennung wegen seiner zum Teil philosophisch-deduktiv dargelegten Entdeckung zunächst versagt. Helmholtz gilt in der Wissenschaftsgeschichte als derjenige, der 1847 als erster das „Princip von der Erhaltung der Kraft“ mathematisch analysierte und seine Funktion in der Physik begründete: „Es ist also stets die Summe der vorhandenen lebendigen und Spannkräfte constant“8) - wobei der ‚lebendigen Kraft‘ (nach dem auf Leibniz zurückgehenden Begriff der vis viva) die kinetische Energie und der ‚Spannkraft‘ die potenzielle Energie entsprach. Daraus folge, „dass die Summe der wirkungsfähigen Kraftmengen im Naturganzen bei allen Veränderungen in der Natur ewig und unverändert dieselbe bleibt. Alle Veränderung in der Natur besteht darin, dass die Arbeitskraft ihre Form und ihren Ort wechselt, ohne dass ihre Quantität verändert wird. Das Weltall besitzt ein für alle Mal einen Schatz von Arbeitskraft, der durch keinen Wechsel der Erscheinungen verändert, vermehrt oder vermindert werden kann und der alle in ihm vorgehende Veränderung unterhält." 9)

III. Mechanische Arbeit und kapitalistische Ökonomie

Für Helmholtz war der Begriff der ‚mechanischen Arbeit‘ ein zentraler Baustein in seiner Theorie der Energieerhaltung: „alle Naturkräfte werden auf das Kraftmaß reduziert, in dem die Tätigkeit von Maschinen gemessen wird: Den Begriff der mechanischen Arbeit.“10) Helmholtz, der ‚erste moderne Theoretiker der Arbeitskraft‘ (Rabinbach), setzt die 'Quantität der Kraft' mit dem populäreren Begriff der 'Größe der Arbeit' gleich. Vor dem Hintergrund der industriellen Revolution wird in einem grundlegenden Wandel der Metapher damit die Natur nicht mehr als Uhr, sondern als arbeitende Maschine gedacht.11) Der Energiesatz wird Teil eines Weltbildes, in dem sämtliche Kräfte auf mechanische Bewegungen zurückgeführt werden.
Während im Englischen die physikalische Arbeit (‚work‘) von der ökonomischen (‚labour‘) klar unterschieden ist, ermöglichen die gleichlautenden Termini im Deutschen und im Französischen (travail, travail d’une force) Übertragungen zwischen beiden Begriffen. Den Begriff der ‚travail méchanique‘ hatten zunächst französische Polytechniker (Gustave-Gaspard de Coriolis, Jean-Victor Poncelet) Ende der 1820er Jahre von der Berechnung der menschlichen und tierischen (lebendig-organischen) Tätigkeit auf Maschinen übertragen, um den Nutzwert von Dampfmaschinen zu bestimmen. Standard der neuen Größe war das vertikale Anheben von Körpern (Kilogrammmeter, Watt, Pferdestärke).12) Wie sehr hier physikalische und soziale Gesichtspunkte ineinander spielen zeigt die Aussage: „Den unproduktiven Druck haben wir umsonst, die Kraft aber oder das sogenannte Kilogrammeter kostet immer Geld.“13) Der Arbeitsbegriff konstituierte sich an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. ‚Travail mécanique‘ war zunächst eine ökonomische Größe, wobei umgekehrt ‚Arbeit‘, in der ursprünglichen Bedeutung von Mühsal, erst nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ein ökonomischer Begriff geworden war. Bestimmungen des menschlichen Arbeitsbegriffs wurden umgekehrt auf Maschinen übertragen. Kannten bis dahin nur Menschen ‚Ermüdung‘ durch Arbeit, so prägt Poncelet 1839 das Wort ‚Materialermüdung‘ und verglich sie mit dem Erschlaffen menschlicher Muskeln. Indem Helmholtz den Arbeitsbegriff in die Physik aufnahm, bildete er zugleich eine Kategorie, die sich schon von ihrer sprachlichen Genese her auf soziale Verhältnisse zurückbeziehen ließ.
Wie stark die Aufstellung des Energieerhaltungssatzes mit dem emporstrebenden Kapitalismus zusammenhängt, lassen die ubiquitären Vergleiche zwischen ihm und den Begriffen des Tausches, der Wertbildung und insbesondere der Arbeit erkennen. Wie die Sätze der Thermodynamik den Bedürfnissen des Industriekapitalismus entsprangen, so haben sie umgekehrt auf die Kategorien des sozialwissenschaftlichen Denkens zurückgewirkt: „Die Thermodynamik veränderte den Arbeitsbegriff ganz entscheidend, indem sie ihn entsprechend den Grundsätzen von der neuen Industrietechnologie der Dampfkraft modernisierte und zugleich in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Physik naturalisierte.“14) Schon Lavoisier war im Zuge seiner Untersuchungen zum Sauerstoffverbrauch auf einen abstrakten Begriff von Arbeit gestoßen: "Wir können z.B. bestimmen, welches Gewicht gehoben werden muß, um der Arbeit zu entsprechen, die ein Mann, der eine Rede hält, oder ein Musiker, der ein Instrument spielt, leistet. Wir können sogar den mechanischen Aufwand in der Arbeit eines Philosophen, wenn er nachdenkt, eines Literaten, wenn er schreibt, und eines Musikers, wenn er komponiert, berechnen." „Es hat deshalb seinen guten Grund, daß die französische Sprache unter der gemeinsamen Definition von 'travail' die Anstrengungen des Geistes mit denen des Körpers vereinigt, die 'travail' der Geistestätigkeit und die 'travail' des gedungenen Dieners."15) Während Helmholtz in seiner Abhandlung Über die Erhaltung der Kraft von 1847 weitgehend innerphysikalisch argumentiert, entwickeln die gleichnamigen Vorlesungen von 1862/63 das Problem aus praktischer, insbesondere ökonomischer Perspektive. Helmholtz bezieht die mit dem Energiesatz verbundene Widerlegung des Perpetuum mobile auf den Wertbildungsprozess, der nur durch Maschinen geleistet werde, denen Energie zugeführt wird. „Arbeit ist Geld“.16) Sie wird auf ihre rein physisch-mechanische Funktion reduziert. Helmholtz verdeutlicht selbst, wie die physikalischen Kategorien auf gesellschaftlich erzeugten Abstraktionen beruhen. „Sowohl der Arm des Grobschmieds, der schwere Schläge mit dem mächtigen Hammer führt, wie der des Violinspielers, der die leisesten Abänderungen des Klanges zu unterhalten weiss, und die Hand der Stickerin, welche mit Fäden, die an der Grenze des Sichtbaren liegen, ihr feines Werk ausführt: sie alle empfangen die Kraft, welche sie bewegt, auf die gleiche Weise und durch dieselben Organe, nämlich durch die im Arm gelegenen Muskeln.“17) Antriebsorgane (auch Triebkraft), so die Analogie zwischen Mensch und Maschine, sind die Muskeln, auch ihre Ermüdungs- oder Erschöpfungsfähigkeit. Auch Marx‘ Arbeits- und Wertbegriff weist Analogien zum allgemeinen Energiebegriff auf, insofern auch er eine Arbeit unterstellt, die von qualitativen oder konkreten Formen abstrahiert. „Es war ein ungeheurer Fortschritt von Adam Smith, jede Bestimmtheit der Reichtum zeugenden Tätigkeit fortzuwerfen – Arbeit schlechthin, weder Manufaktur, noch kommerzielle, noch Agrikulturarbeit, aber sowohl die eine wie die andre. […] Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte Arbeit entspricht einer Gesellschaftsform, worin die Individuen mit Leichtigkeit aus einer Arbeit in die andre übergehen und die bestimmte Art der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist. Die Arbeit ist hier nicht nur in der Kategorie, sondern in der Wirklichkeit als Mittel zum Schaffen des Reichtums überhaupt geworden und hat aufgehört, als Bestimmung mit den Individuen in einer Besonderheit verwachsen zu sein. […] Hier also wird die Abstraktion der Kategorie ‚Arbeit‘, ‚Arbeit überhaupt‘, Arbeit sans phrase, der Ausgangspunkt der modernen Ökonomie, erst praktisch wahr.“18)
Wenn Marx von ‚menschlicher Arbeit‘ spricht, dann meint auch er gewöhnlich maschinelle Arbeit und unterscheidet davon die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Marx übernimmt die physikalische Quantifizierung des Arbeitsbegriffs (und zitiert einen englischen Popularisator des Energiebegriffs, William Robert Grove).19) Er gibt ihr aber zugleich einen anderen Rahmen, indem er sie der gesellschaftlichen Formbestimmtheit (nämlich der kapitalistischen Produktion des Mehrwerts) zuordnet. Philip Mirowski, amerikanischer Ökonom und Wissenschaftshistoriker, hat sogar nachzuweisen versucht, dass alle bis heute wirksamen Grundbegriffe der Volkswirtschaftslehre sich der Übersetzung von Grundbegriffen der Physik und der Maschinentheorie des 19. Jahrhunderts verdankten.20) Der Energiebegriff wirkte über die im gleichen Zuge entstehende Arbeitsphysiologie auf die Messung und Optimierung der menschlichen Arbeitskraft zurück. Bereits Du Bois-Reymond machte den Energieerhaltungssatz zur Grundlage einer exakt messenden Physiologie. In den 1890er Jahren wies der Physiologe und Hygieniker Max Rubner die Gültigkeit des Erhaltungssatzes für Lebewesen nach.21) Er betrachtete nicht mehr nur Teilsysteme des Organismus, sondern die Umwandlungsprozesse des Gesamtorganismus‘. Rubner leitet einen Paradigmenwechsel in der Physiologie ein, die er vom Stoffwechsel auf eine energetische Basis umstellen wollte. Die Kraftumwandlung habe nicht die chemischen Qualitäten der Ernährungsstoffe zu untersuchen, sondern ihre chemische Energie. Die Energie der Nahrungsmittel drückte Rubner als kalorischen Wert aus.

IV. Energeia und Energie als Terminus im 19. Jahrhundert

Der neue Terminus Energie setzt sich, angeregt von englischen Physikern erst in den 1850er Jahren durch. „Für das unzerstörbare Etwas, als dessen Maß die mechanische Arbeit gilt, ist allmählich der Name Energie in Gebrauch gekommen.“22) William Thomson (später Lord Kelvin) schlug 1851 vor, ‚mechanical work‘ durch ‚mechanical energy‘ zu ersetzen, William Rankine brachte den Terminus in On the general Law of the transformations of energy (1853) zur allgemeinen Verbreitung. ‚Energie‘ präzisierte den Begriff der Kraft, der bis dahin im Sinne Newtons sowohl für die zeitliche Änderung des Impulses wie zur Bezeichnung von Wärme und Energie in den unterschiedlichsten Formen genutzt wurde.
‚Energie‘, bereits im frühen 18. Jahrhundert von (frz.) énergie entlehnt, existierte schon zuvor als Fachterminus. Die Verwendung geht auf die Aristotelische Philosophie zurück, in der ‚énergeia‘ zwei Bedeutungen hatte: a) Verwirklichung oder Betätigung eines Vermögens (vs. dynamis als bloßes Vermögen, lat. potentia, vis). b) Als vollendete Tätigkeit (z.B. Glücklichsein), die vom Prozess (kinesis) unterschieden ist.23) In diesem Sinne wurde Energeia schon in Galileis Physik verwendet. Alltagssprachlich wird Energie zur Kennzeichnung der Stärke und Kraft, vor allem als menschliche Eigenschaft oder als Vermögen (Willen, Charakter, Gefühl etc.) verwendet. Bei Zedler heißt Energeia „Würckung oder Nachdruck, Kraft eines Dinges, sonderlich derer Lebens=Geister und des Geblüts.“24) In sittlicher Bedeutung ist Energie Willens- oder Tatkraft, d. h. die Fähigkeit, seinen Willen auch mit der Tat kräftig zu beweisen. Diese positive Alltagsbedeutung findet sich als latente Konnotation auch in weltanschaulichen Debatten um den physikalischen Energiebegriff. Der wird allerdings in Lexika lange unter dem Einträgen ‚Kraft‘ oder ‚Erhaltung der Energie‘ verhandelt.25)
Neben der kontinuierlichen Alltagsbedeutung und vor der Festschreibung als physikalischem Terminus waren Energeia und Energie zeitgenössisch in der deutschen Sprache schon in anderen disziplinären Kontexten terminologisiert worden. Im 18. Jahrhundert war ‚Energie‘ bei Herder und Sulzer ein ästhetischer Grundbegriff. Sulzer versteht unter Energie eine ‚vorzügliche Kraft, nicht nur der Rede, sondern in allen anderen Dingen, die zum Geschmacke gehören“.26) Sie komme Sachen und Wörtern zu, insofern sie durch lebhafte Schilderung Bewegung und Rührung in der Seele hervorrufen. Prominenter war Wilhelm v. Humboldts sprachtheoretische Verwendung von ‚Energeia‘ und ‚Ergon‘ (griech. εργον 'statisches Gebilde') als die beiden Pole der Bestimmung der menschlichen Sprache. Entsprechend der Aristotelischen Tradition bestimmt er die Sprache als Energeia, als eine wirkende, „sich ewig erzeugend" und verändernde dynamische Kraft. Die Sprache ist Tätigkeit (Energeia), kein Werk (Ergon).27) Energia zeige sich in der menschlichen Rede und darin, den artikulierten Laut zum Ausdruck eines Gedankens zu machen.
1826 hatte Johannes von Müller als „Grundgedanken“ der Physiologie formuliert, dass „die Energien des Lichten, des Dunkeln, des Farbigen, nicht den äußern Dingen, den Ursachen der Erregung, sondern der Sehsinnsubstanz selbst immanent sind, daß die Sehsinnsubstanz nicht afficirt werden könne, ohne in ihren eingebornen Energien des Lichten, Dunkeln, Farbigen thätig zu seyn“.28) Das ‚Gesetz der spezifischen Energie der Sinnesorgane’, mit dem Müller eine – jeder Nervenart innewohnenden und physikalisch nicht beschreibbare – Energie unterstellt, wurde später zwar nicht selten energetisch im modernen, physikalischen Sinn verstanden, ist aber noch ganz aristotelisch gedacht.

V. Entropiebegriff

Ausgehend vom Energieerhaltungssatz untersuchte der Physiker Rudolf Clausius 1850 die Fähigkeit der Wärme, sich in Arbeit umzuwandeln.29) Er konnte dabei an die Abhandlung Réflexions sur la puissance motrice du feu et sur les machines propres à développer cette puissance (1824) von Sadi Carnot über Kreislaufprozesse in Wärmemaschinen anknüpfen. Carnot war davon ausgegangen, dass dort, wo ein Temperaturunterschied existiert, bewegte Kraft erzeugt werden kann, da Wärme stets bestrebt ist, von einem heißen in einen kalten Zustand überzugehen. Und er hatte bereits beobachtet, dass Wärme in Dampfmaschinen nicht vollständig in mechanische Arbeit wandelbar ist. Clausius (und Rankine) reflektierten diesen Befund im Rahmen der Energieerhaltung und formulierten ihn in der von ihnen begründeten Thermodynamik als 2. Hauptsatz: Wärme kann nicht ohne sonstige Veränderungen von einem kalten auf einen wärmeren Körper übergehen. Damit war zugleich das ‚Perpetuum mobile zweiter Art‘ widerlegt. Es ist unmöglich, im Raum gleich verteilte Wärmeenergie zum Zweck des Antriebs einer Maschine in andere Energie zu verwandeln, ohne hierfür zusätzliche Energie aufzuwenden. 1865 nannte Clausius die Zustandsgröße für die Umwandelbarkeit von Wärme und technischer Arbeit in einem an ‚Energie‘ angelegten Neologismus ‚Entropie‘ (aus entrepein = umwandeln und tropé = Wandlungspotenzial).
Die Erkenntnis, dass Energieumwandlungen tendenziell unumkehrbar in eine Zeitrichtung verlaufen, war mit den Modellen der mechanischen Physik kaum vereinbar, die nur reversible Phänomene beobachtet. Durch Einführung der Statistik in die Thermodynamik versuchte in den 1870er Jahren der österreichische Physiker Ludwig Boltzmann, das Reversibilitätsproblem innerhalb der mechanischen Physik zu rekonstruieren. Die Unordnung oder Zerstreuung (Dispersion) der Teilchen in einem System sei nur ihr wahrscheinlichstes Verhalten.
Nur wenige naturwissenschaftliche Erkenntnisse oder Theorien haben eine derartige Faszination, aber auch eine solche Menge an Kontroversen hervorgerufen wie der Energieerhaltungs- und der Entropiesatz.30) Als Beispiel für die populäre Zirkulation des Energieerhaltungssatzes im Jahr 1883 kann Wilhelm Busch stehen:
„Hier strotzt die Backe voller Saft;
Da hängt die Hand, gefüllt mit Kraft.
Die Kraft, infolge der Erregung,
Verwandelt sich in Schwingbewegung.
Zur Backe eilt, wird hier zur Hitze. […]
Ohrfeige heißt man diese Handlung,
Der Forscher nennt es Kraftverwandlung.“31)
Da es sich bei der ‚Entropie‘ um eines der komplexesten Konzepte der Physik handelt und die disziplinären Übertragungen immer auch einen semantischen Überschuss erzeugten, war die diskursive Verbreitung des Begriffs gleichsam gesichert. Dennoch entfaltet der schon 1850 formulierte Satz der Entropie seine größte Wirkung auf Philosophie, Literatur und Künste erst zwischen dem Fin de siècle und den 1920er Jahren. Der Energiebegriff steht dabei gleichermaßen für das optimistische Fortschrittsverständnis des 19. Jahrhunderts wie die Entropie für einen beginnenden, sich naturalistisch, nicht gesellschaftlich begründenden Pessimismus. ‚Entropie‘ wird dagegen zur Projektionsfläche, um generelle Tendenzen der kosmischen Entwicklung unter Einschluss der menschlichen Gesellschaft zu fassen, andererseits aber auch Figuren zu entwickeln, die den Menschen als lebendiges oder geistiges Wesen davon gerade ausnehmen. Die Idee der Entropie konnte nur eine Weltanschauung treffen, die ihre Legitimation aus der Unendlichkeit des Fortschritts zog. Wenn Wärme, die favorisierte Energie des 19. Jahrhunderts, nicht mehr mit Leben, sondern mit dem Tod assoziiert wurde, bedeutete das eine Umkehr der symbolischen Ordnung.
In Deutschland wurde die kulturelle Diskussion der Entropie durch Helmholtz Aufsatz Über die Wechselwirkung der Naturkräfte und darauf bezüglichen Ermittlungen der Physik (1876) beflügelt. Die Physik soll nun gleichsam die Geschichtsphilosophie ersetzen: „Physikalisch-mechanische Gesetze sind wie Teleskope unseres geistigen Auges; sie dringen in die ferne Nacht der Vergangenheit und Zukunft.“32) Komplementär zur Evolutionstheorie schienen die Naturwissenschaften in der Lage zu sein, einen der bislang spekulativsten Bereiche der Philosophie, nämlich die Geschichtsphilosophie zu ersetzen. Nahezu gleichzeitig mit der Darwinschen Evolutionstheorie wurde ein Gesetz der Naturentwicklung gefunden, nach dem die Welt sich nicht in immer gleichen Naturgesetzen bewegt, sondern selbst einem einmaligen Prozess unterworfen ist. Ausgehend von den Energieerhaltungssätzen werden von Naturwissenschaftlern umfassende kosmologische Narrationen entworfen, in denen die Menschheitsgeschichte ihren Platz angewiesen bekommt. Während populäre Darstellungen der biologischen Evolution eine Gerichtetheit des Prozesses beschrieben, die mit dem Fortschrittsbegriff koinzidierte, legte der Begriff der Entropie (oder des Wärmetods) Verfall und Ende nahe. Für Boltzmann allerdings ist der „allgemeine Daseinskampf der Lebewesen“ ein „Kampf um die Entropie, welche durch den Übergang der Energie von der heißen Sonne zur kalten Erde disponibel wird."33)
Helmholtz prognostiziert in apokalyptischer Metaphorik den „vollständigen Stillstand aller Naturprocesse“: „Auch das Leben von Pflanzen, Thieren und Menschen kann nicht weiter bestehen, wenn die Sonne ihre höhere Temperatur und damit ihr Licht verloren hat und wenn sämmtliche Bestandtheile der Erdoberfläche die chemischen Verbindungen geschlossen haben werden, welche ihre Verwandtschaftskräfte fordern. Kurz das Werltall wird von da an zur ewiger Ruhe verurtheilt sein.“34)
Ähnlich beschreibt Clausius 1863 die Folgen der Energiedissipation. Das Weltall nähere sich allmählich dem Zustande, wo die Kräfte keine neuen Bewegungen mehr hervorbringen können, und keine Temperaturdifferenzen mehr existierten. Der Grenzzustand des Entropiemaximums sei der Wärmetod der Welt. In Clausius Feststellung, dass Wärme eine geringer wertige Energieform sei, schwingt eine anthropozentrische Wertung mit. Widerstand gegen solche fatalistischen Interpretationen gab es auch in der Physik. Boltzmann vertrat die Ansicht, dass es im Universum neben Teilwelten, die sich dem Entropiemaximum nähern, immer auch Bereiche geben müsse, in denen wahrscheinlichere (ungeordnete) Zustände in unwahrscheinlichere (geordnete) übergehen, so dass die Lebenserscheinungen, die an das Vorhandensein von Arbeitsfähigkeit geknüpft sind, Folgen statistischer Schwankungen kosmischen Ausmaßes sind. Naturwissenschaftler haben immer wieder Theorien aufgestellt, die darauf hinauslaufen sollen, die Entropie zu "überlisten". Der Bogen lässt sich von James Clarke Maxwells - schnelle und langsame - Moleküle sortierenden und damit Entropie vermindertem Dämon (1871) bis Erwin Schrödingers Theorie des Lebens als sog. Neg-Entropie (1951) spannen.
Außerhalb der Physik mag die Aversion gerade idealismuskritischer und an den Naturwissenschaften orientierter philosophischer Strömungen gegenüber dem Entropiesatz dadurch genährt worden zu sein, dass die implizierte Zeitdimension des Entropiebegriffs von Theologen dankbar aufgenommen wurde. Umgekehrt gehörte es zu den Standardargumenten religionskritischer Strömungen, dass die Welt von Ewigkeit und damit ohne Anfang und Ende sei. Der Entropiesatz wird damit zu einem zentralen Bestandteil der Auseinandersetzung zwischen Materialismus und Theologie.35) So unterschiedliche Theoretiker wie Friedrich Nietzsche, Friedrich Engels oder Ernst Haeckel kamen wohl aus diesem Grund in der Befürwortung des Ersten und in der Ablehnung des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik überein. Nietzsches ‚Wiederkehr des Gleichen‘ bezieht sich direkt auf den 1. Hauptsatz der Wärmelehre und scheint gegen den 2. Hauptsatz gerichtet zu sein: „Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr“.36) Friedrich Engels, naturwissenschaftlich belesener Anhänger einer Theorie des Fortschritts, zweifelt an der Wahrheit des Entropie-Theorems: für ihn ist Entropie wegen des Energieerhaltungssatzes widerspruchslos nur im Rahmen einer Theorie der Kreation von Bewegung, Materie und Welt denkbar.37)

VI. Energetik: Streitsache zwischen Natur- und Kultur- und Sozialwissenschaft

In Helmholtz‘ populären Vorträgen diente der Energieerhaltungssatz zur Begründung der sich gerade etablierenden methodischen Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften. Zu einem diskursiven Grundbegriff wurde Energie aber nicht zuletzt deswegen, weil die Grenzen seiner Geltung hochumstritten waren. Insbesondere wird am Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert, inwieweit der Begriff zur Erklärung von Phänomenen jenseits der Natur, nämlich der Kultur und Gesellschaft geeignet ist.
Ein anderer Grenzbereich war die Psychologie. In seinen Elementen der Psychophysik (1860) hatte Fechner den psychophysischen Parallelismus auch energetisch begründet. Er übertrug die potentielle Energie als ‚Spannkraft‘ auf das Gebiet der geistigen Tätigkeiten und unterstellte psycho-physiologische Interaktionen mit motorischen Prozessen.38) Das Energieerhaltungsgesetz diente der Begründung des psychophysischen Parallelismus. Als daher der psychophysische Parallelismus in den 1890er Jahren von Philosophen wie Wilhelm Wundt und Carl Stumpf angegriffen wurde, spielte der Energieerhaltungssatz eine wesentliche Rolle.39) Carl Stumpf, der sich für ein Verhältnis der Wechselwirkung (also der Kausalität) zwischen Physis und Psyche aussprach, ging von der Existenz einer eigenen psychischen Energie aus.40)
Dagegen vertrat Freud zunächst das biophysikalische Paradigma seines Lehrers Ernst Brücke. Probleme der Psychologie werden um 1900 energetisch reformuliert. Die ‚Kräfte‘ wechseln gleichsam aus der Biologie in die Psychologie, sie werden als Gegenspieler des bewußten Willens zu ‚unbewußten Kräfte‘ des Seelenlebens. Freud verhandelt die Triebe zunächst im energetischen Modell, die Libido entspricht bei ihm der Lebensenergie. Freud nutzte vor 1906 Metaphern der Naturwissenschaft und Technik (Energieerhaltungsprinzip, hydraulische Figuren der klassischen Mechanik, Triebtheorie nach dem Dampfkesselmodell etc.), um das Gebiet der Psychoanalyse wissenschaftlich zu formulieren.41) Konzepte wie die ‚Trauerarbeit’ etc. sind nach energetischen Vorstellungen konzipiert. In Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität fasst Freud die Sublimierung sexueller Energien in kulturelle Ziele entsprechend den Umwandlungsprozessen der Energie. Analog zur Figur der Entropie hebt Freud hervor, dass die Libido aus psychoanalytischer Sicht nicht restlos sublimierbar sei. „Ins Unendliche fortsetzen lässt sich „dieser Verschiebungsprozeß aber sicherlich nicht, so wenig wie die Umsetzung der Wärme in mechanische Arbeit bei unseren Maschinen“ ins Unbegrenzte fortzusetzen sei.42) Nach 1906 benutze Freud andere Bildquellen, wie z.B. Mythentheorien.
Um Übertragung von Energien zwischen den Menschen in Situationen kollektiver Interaktion geht es um 1900 schließlich auch im Rahmen der entstehenden Massenpsychologie (von Gabriel Tarde über Theodor Geiger und Gustave le Bon bis Elias Canetti). Die Theorie der geschichtsmächtigen Masse hängt um 1900 eng mit dem Energiebegriff zusammen.43) Auffällig ist der Vergleich impulsiver Massenaktionen mit thermodynamischen Vorgängen sowie die Kategorie der ‚Auslösung‘ (und katalytischen Wirkung), die Robert Mayer erstmals in Reflexion des Energieerhaltungssatzes als Prinzip der Natur erörterte.44) Eine radikale, zugleich hochumstrittene Ausweitung des Energiebegriffs wurde durch den Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald und Georg Ferdinand Helm vorgenommen.45) Ihre als Energetik bezeichnete Lehre sieht die Energie und das Energieerhaltungsprinzip als Grundlage der gesamten Naturwissenschaft an. Auch Stoffe sind nur eine besondere Form der primären Energie. Helm, Mathematiker und Professor sowie Rektor an der Technischen Hochschule Dresden, vertrat die von ihm begründete ‚Energetik‘ besonders offensiv und öffentlichkeitswirksam. Ostwald und Helm forderten (unter anderem gegen Boltzmann) einen weltanschaulichen Monismus, der den wissenschaftlichen Materialismus mit seiner mechanischen Vorstellung (Teilchen und Bewegung) überwinde. Alle Bereiche des menschlichen und kulturellen Lebens sollten auf ihre energetischen Grundlagen hin untersucht werden. Anknüpfend an den belgischen Chemiker und Soziologen Ernest Solvay (Questins d’énergetique sociale, 1884-1910) verstanden Ostwald und Helm die Energetik auch als wichtigen Beitrag zur Beschreibung und Gestaltung der Gesellschaft. Dem zweiten Hauptsatz stellt Ostwald die „Leitlinie der Kulturentwicklung“ entgegen. Unter Einbeziehung der Pädagogik oder Kunst wird eine kulturelle Umwandlung niedriger, d.h. physischer Energien in höhere, d.h. geistige und psychische Formen postuliert. Im Bereich der Ökonomie postulierte Helm, dass Geld das ökonomische Äquivalent niedriger Entropie sei.46) In diesen Debatten, die sich mitunter wie ein frühes, technikoptimistisches ökologisches Manifest, lesen, wurden Schlagwörter wie Energieeinsparung und Energieverschwendung geprägt.
Wie weit außerhalb der Physik der Versuch von Ostwald, die Energetik auf Kultur und Gesellschaft auszudehnen, zur Kenntnis genommen wurde, zeigt eine ausführliche, mit wütendem Spott verfasste Rezension von Ostwalds und Solvey durch Max Weber; die Darlegung zeige, „welche Wechselbälger gezeugt werden, wenn rein naturwissenschaftlich geschulte Technologen die ‚Soziologie‘ vergewaltigen“.47) Die Frage, ob Energie materiell sei oder nicht, hatte um 1900 auch eine rechtswissenschaftliche Dimension, insofern die Frage diskutiert wurde, ob sie eine ‚Sache‘ sei, die man stehlen kann.
Ostwald, der sich um 1900 in Russland einer breiten Rezeption erfreute, hatte mit seinem Energetikbegriff großen Einfluss sowohl auf die russische Avantgarde (Pavel Florenskij, der Symbolist Andrej Belyj) wie auf Visionen der Gotterbauer, die ein marxistisch-religiöses Kollektivbewusstsein propagierten (Maksim Gor’kij). In Debatten avantgardistischer Sprachexperimente interferierte ein popularisierter physikalischer Energiebegriff mit dem sprachwissenschaftlichen energeia-Begriff Humboldts und der russisch-orthodoxen Lehre einer Gleichsetzung von Gottes Namen und Gottes Energie. Der studierte Mathematiker, Priester und Philosoph Pavel Florenskij stellte sein ‚Prinzip der Ektropie‘, als fleisch-gewordenem Wort, der Entropie entgegen und reaktivierte mit dem synérgeia-Konzept der orthodoxen Theologie zugleich eine energetisch-performative Perspektive des Wortes: „Das Wort ist synergetisch: Energie.“48)
Ostwalds energetische Theorie, im Sinne von Mach und den Empiriokritizisten (Richard Avenarius) materialismuskritisch interpretiert, bekam in Russland direkte politische Relevanz, weil sie als Kompensationsideologie der Niederlage der 1905er Revolution über Alexander Bogdanow (Empiriomonismus) und Antoli Lunartscharski in den Führungszirkel der russischen SDAPR eindrang. Wenn Lenin sich in Materialismus und Empiriokritizismus (1907) mit der Frage auseinandersetzte, ob der Energiebegriff den philosophischen Materialismus widerlege, ging es zugleich um die Frage ideologischer Hegemonie.

VII. Ausblick

Der Energiebegriff hat in gesellschaftlichen Debatten bis in die jüngste Gegenwart nichts von seiner Bedeutung als Schlüsselbegriff gesellschaftlicher Debatten verloren. Allerdings ist das Bewusstsein, dass es sich bei ‚Energie‘ um eine funktionale Größe handelt, die im strengen Wortsinn weder eingespart noch verschwendet, sondern nur auf unterschiedliche Art vom Menschen genutzt werden kann, einem populären und naturalisiertem Begriff gewichen. Manche Debatten schließen an Motive des Fin de siècle an (u.a. Ostwalds präökologisches Plädoyer zur Energienutzung, das apokalyptische Szenarium des Wärmetods u.a.).
Das Energieerhaltungsgesetz wird bis heute wohl von keinem Physiker generell in Frage gestellt. Dennoch sind sowohl seine fachwissenschaftliche Bedeutung wie seine weltanschauliche Ausstrahlung relativiert. Theorieimmanent, weil der Energieerhaltungssatz nach dem Noether-Theorem (1918) nur der Spezialfall einer umfassenderen physikalischen Symmetrie ist: etwas ist symmetrisch, wenn man es bestimmten Operation aussetzen kann und es danach als genau so erscheint wie vor der Operation. Ein Spezialfall solcher Symmetrie besagt, dass es bezogen auf Verschiebungen in der Zeit eine physikalische Größe gibt, deren Wert sich nicht verändert. Diese Größe wird als Energie bezeichnet.
Die allgemein kulturelle Faszinationsgeschichte des Energie- und Entropiesatzes ist im 20. Jahrhundert mit der speziellen Relativitätstheorie und mit der Entdeckung des Welle-Teilchen-Dualismus (1927) auf andere Themen der Physik übergegangen. Wenn die komplementären Eigenschaften Ort und Impuls nicht im gleichen Augenblick exakt gemessen werden können, dann trifft das sowohl auf das Eigenschaftspaar Ort und Impuls wie auf das Produkt von Energie und Zeit zu. Und wenn die Masse eines Körpers traditionell das Maß seiner passiven Widerstandskraft als Trägheit war, so wurde sie in der speziellen Relativitätstheorie zur Bezugsgröße für dessen Energiegehalt.
Schließlich sind Funktionen, die ursprünglich mit dem Energiebegriff verbunden waren, später auf den Informationsbegriff übergegangen. Die statistische Darstellung der Entropie durch Kategorien der Ordnung/Unordnung erlaubte dessen Rekonstruktion in der Informationstheorie und Kybernetik.49) Hatte Robert Mayer die Zukunftsträchtigkeit der Energieform Wärme für das 19. Jahrhundert herausgehoben, so stellt Norbert Wiener in der Mitte des 20. Jahrhunderts – in einem vergleichbar populären Resümee - die Information als ein Drittes neben Materie und Energie.50)


Material

A. Primärmaterial

Zum Artikel im Deutschen Fremdwörterbuch: http://www.owid.de/artikel/406180

1734Zedler, Johann Heinrich: (Art.) Energeia, in: Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 8, S. 620.
19. Jh.Energie, Prototyp eines metaphorischen Wanderungsprozesses, wird zunächst als griechisches Wort der Gemeinsprache ('Wirksamkeit') in die Physik übernommen, wird von da aus in Bereiche außerhalb der Elektrizität übertragen. (nach Ulrich Dierse)
1847Helmholtz, Hermann von: Über die Erhaltung der Kraft. Eine physikalische Abhandlung, vorgetragen in der Sitzung der physikalischen Gesellschaft zu Berlin am 23. Juli 1847. Berlin, 1847. (Repr. Bruxelles, 1966; Repr. Weinheim, 1983. Volltext
1887Georg Helm: Die Lehre von der Energie, Leipzig, 1887: Helm sah das Geld als ökonomisches Äquivalent niedriger Entropie an.
1893Ostwald, Wilhelm: Chemische Energie. Leipzig, 1893.
1902Ostwald, Wilhelm: Vorlesungen über Naturphilosophie, Leipzig, 1902. Ostwald, Hauptvertreter des sogenannten Energismus, sieht die Energie als diejenige Substanz, aus der alles andere entsteht. Vgl. S. 148ff: „Mit Ausnahme der Energie finden alle die anderen Begriffe, deren Größe dem Erhaltungsgesetze unterliegt, nur auf begrenzte Gebiete der Naturerscheinungen Anwendung. Einzig die Energie findet sich ohne Ausnahme in allen bekannten Naturerscheinungen wieder, oder mit anderen Worten, alle Naturerscheinungen lassen sich in den Begriff der Energie einordnen. Somit eignet sich dieser Begriff vor allem dazu, als vollständige Lösung des im Substanzbegriff aufgestellten, aber durch den Begriff der Materie nicht vollkommen gelösten Problems zu gelten. […] Alles, was wir von der Außenwelt wissen, können wir in der Gestalt von Aussagen über vorhandene Energien darstellen, und daher erweist sich der Energiebegriff allseitig als der allgemeinste, in die Wissenschaft bisher gebildet hat.“

B. Sekundärmaterial

Begriffsgeschichtliche Arbeiten

  • Breger, Herbert: Die Natur als arbeitende Maschine: Zur Entstehung des Energiebegriffs in der Physik 1840-1850. Frankfurt am Main, 1982.
  • Breger, Herbert: (MS) Die Entstehung des Energiebegri ffs im 19. Jahrhundert. 2001. Volltext
  • Jammer, M.: (Art.) Energie, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg.v. J. Ritter. Bd. 2, Basel/Stuttgart, 1972, Sp. 494 - 499. Inhaltsangabe

Sonstige Literatur

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  • Blair, George A.: The Meaning of «Energia» and «Entelechiea» in Aristotle. In: International Philosophical Quarterly, 7, 1967, S. 101-117.
  • Delon, Michel: L'idée d'énergie au tournant des Lumières (1770 - 1820). Paris, 1988.
  • Delon, Michel: (Art.) Énergie, in: Dictionnaire Européen des Lumières. Hg v. M. Delon. Paris, 1997, S. 395-397.
  • (Art.) Energie, in: Hermann, Armin: Lexikon Geschichte der Physik A-Z, Köln, 1987.
  • Elkana, Yehuda: Emergence of energy concept (Diss., Brandeis University, waltheim, Mass. 1967.
  • Elkana, Yehuda: Anthropologie der Erkenntnis, Frankfurt am Main, 1986, darin: Die Entlehnung des Energiebegriffs in der freudschen Psychoanalyse, S. 376-397.
  • Fröhlings, Albert: Die Begriffe ‚Dynamis‘ und ‚Energie‘ bei Aristoteles und die modernen physikalischen Begriffe der Kraft und Energie. Teildr. Koblenz, 1929.
  • Harman, P.M.: Energy, Force and Matter. The Conceptual Development of Nineteenth-Century Physics. Cambridge, 1995.
  • Guedj, Muriel: Du concept de travail vers celui d’énergie: L’apport de Thomson. In: Revue d’Histoire des Sciences, 59/1, 2006, S. 29-50.
  • Heller, Bruno: Grundbegriffe der Physik im Wandel der Zeit. Braunschweig, 1970. (Darin: 'Kraft und Energie' S. 163 ff.)
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  • Helm, Georg: Die Energetik, Leipzig, 1898.
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  • Lorkowski, N.: Tagungsbericht Elektrizität als Energieform im Übergang von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft. Tagung: 17.9.2009-19.9.2009, Jena, 2010. Volltext
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    • Rezension: Ole Knudsen, Archives Internationales d’Histoire des Sciences, 32, 1982, S. 124-125.
  • Stork, Ricardo Yepes: El origen de la ‘energeia’ en Aristoteles. In: Anuario Filosofico, 22, 1989, S. 93-109.
  • Thomas, A.: Energy and the mathematisation of electrodynamics in Germany 1845-1875. In: Archives Internationales d'Histoire des Sciences, 39, 1989, S. 276-308.
  • Weber, M.: Energetische Kulturtheorien. In: ders., Ges. Aufsätze zur Wissenschaftslehre, 3. Aufl., Tübingen, 1985. S. 400-426.
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  • Zanker, Graham: Enargeia in the Ancient Criticism of Poetry. In: Rheinisches Museum für Philologie, 124, 1981, S. 297-311.

Redaktionsseite

1)
Thomas S. Kuhn, Die Erhaltung der Energie als Beispiel gleichzeitiger Entdeckung (1959), in: ders., Die Entstehung des Neuen. Studien zur Struktur der Wissenschaftsgeschichte, hg. v. Lorenz Krüger, Frankfurt a.M. 1978, S. 125-168.
2)
Ernst Mach, Die Geschichte und die Wurzel des Satzes von der Erhaltung der Arbeit (1872), Zweiter unveränderter Abdruck, Leipzig 1909. Kuhn, Die Erhaltung der Energie als Beispiel gleichzeitiger Entdeckung (s. Anm. 1). Yehuda Elkana, The Discovery of the Conservation of Energy. Havard University Press 1974.
3)
M. Jammer, (Art.) Energie, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hg v. Joachim Ritter, Bd. 2: D-F, Basel 1972, Sp. 494-499. Werner Conze, (Art.) Arbeit, in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, hg. v. O. Brunner, W. Conze, R. Koselleck, Bd. 1, Stuttgart 1972, S. 154-215.
4)
Vgl. z.B. Stephen G. Brush, The Temperature of History. Phases of Science and Culture in the Nineteenth Century, New York 1978. Crosby Smith, The Science of Energy. A Cultural History of Energy Physics in Victorian Britain, London 1998. Bruce Clarke; Linda Henderson (Hg.), From Energy to Information: Representation in Science and Technology, Art and Literature, Stanford 2002. Elizabeth R. Neswald, Thermodynamik als kultureller Kampfplatz. Zur Faszinationsgeschichte der Entropie 1850-1915, Berlin 2006. Christian Kassung, EntropieGeschichten. Robert Musils ‚Der Mann ohne Eigenschaften‘ im Diskurs der modernen Physik, München 2001.
5)
Vgl. Herbert Breger, Die Natur als arbeitende Maschine. Zur Entstehung des Energiebegriffs in der Physik 1840 – 1850, Frankfurt a.M. / New York 1982, S. 104.
6)
Robert Mayer, Die Mechanik der Wärme, in: Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften Bd. 37 (Reprint der Bde. 37, 180 u 99), Frankfurt a.M. 2003, S. 33.
7)
Ebd., S. 14.
8)
Hermann von Helmholtz, Über die Erhaltung der Kraft (1847), in: Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften, Bd. 1, Frankfurt a.M. 2011, S. 5-62, hier S. 16.
9)
Hermann von Helmholtz, Ueber die Erhaltung der Kraft (1862/63), in: Vorträge und Reden, 5. Aufl., Braunschweig 1903. Bd. 1, S. 227.
10)
Ebd., S. 228.
11)
Vgl. Breger, Die Natur als arbeitende Maschine (Anm. 5), S. 155.
12)
Anson Rabinbach, Ermüdung, Energie und menschlicher Motor, in: Physiologie und industrielle Gesellschaft. Studien zur Verwissenschaftlichung im 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Philipp Sarasin und Jakob Tanner, Frankfurt a.M. 1998, S. 286-312.
13)
Ebd. Vgl. Philipp Felsch, Nach oben. Zur Topologie von Arbeit und Ermüdung im 19. Jahrhundert, in: Thomas Brandstetter; Christof Windgätter (Hg.), Zeichen der Kraft. Wissensformationen 1800-1900, Berlin 2008, S. 141-169.
14)
Maria Osietzky, Körpermaschinen und Dampfmaschinen. Vom Wandel der Physiologie und Körpers unter dem Einfluß von Industrialisierung und Thermodynamik, in: Physiologie und industrielle Gesellschaft. Studien zur Verwissenschaftlichung im 19. und 20. Jahrhundert, hg. v. Philipp Sarasin und Jakob Tanner, Frankfurt a.M. 1998, S. 313-346.
15)
Lavoisier, Mémoire, zit. nach Ruth Moore, Die Lebensspirale, Stuttgart 1967, S. 26 f.
16)
Helmholtz, Über die Wechselwirkung der Naturkräfte und die darauf bezüglichen neuesten Ermittelungen der Physik (1854), in: Vorträge und Reden (Anm. 9), S. 48-83, hier S. 53.
17)
Helmholtz, Über die Erhaltung der Kraft, S. 192 f.
18)
Marx, Karl: Kritik der politischen Ökonomie. Einleitung, in: Marx Engels Werke (MEW), Berlin 1956 bis 1990, Bd. 13, S. 634f.
19)
Ders., Das Kapital, in: MEW (Anm. 18), Bd. 23, S. 549.
20)
Philip Mirowski, More Heat than Light. Economics as Social Physics, Physics as Nature’s Economics, Cambridge University Press 1989. Vgl. ders., Machine Dreams: Economics becomes a Cyborg Science, 2002.
21)
Max Rubner, Die Quelle der thierischen Wärme, in: Zeitschrift für Biologie 30 (1894), S. 73-142. Vgl. Anson Rabinbach: Ermüdung, Energie und menschlicher Motor (Anm. 12).
22)
Mach, Über das Prinzip der Erhaltung der Energie (Anm. 2), S. 168.
23)
(Art.) dynamis, energeia und kinesis in: Wörterbuch der antiken Philosophie, hg. v. Christoph Horn und Christof Rapp, München 2002).
24)
Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, Halle und Leipzig 1731-1754, 8. Bd., S. 620.
25)
Vgl. z.B. Energie, in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auf., 1885-1892, Bd. 5, S. 620.
26)
Johann Georg Sulzer, Von der Kraft (Energie) in den Werken der schönen Künste (1765), in: ders., Vermischte philosophische Schriften, Bd. 1, Leipzig 1773, S. 122-145.
27)
Wilhelm von Humboldt, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts [1830-1835], in: ders., Werke in fünf Bänden, Bd. 3: Schriften zur Sprachphilosophie, Darmstadt, 1988, S. 418.
28)
Johannes von Müller, Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinns des Menschen und der Thiere nebst einem Versuch über die Bewegungen der Augen und über den menschlichen Blick, Leipzig 1826, S. 44.
29)
Rudolf Clausius, Über die bewegende Kraft und die Gesetze, welche sich daraus für die Wärmelehre selbst ableiten lassen (1850), in: Ostwalds Klassiker (Anm. 6).
30)
Kassung, Entropie-Geschichten (Anm. 1).
31)
Wilhelm Busch, Balduin Bählamm der verhinderte Dichter, in: ders., Werke. Historisch-kritische Gesamtausgabe, Band IV, Hamburg 1959, S. 42-53, S. 52.
32)
Helmholtz, Ueber die Wechselwirkung (Anm. 16), S. 80.
33)
Boltzmann, Der zweite Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie, zit. nach Kassung, EntropieGeschichten (Anm. 1), S. 188.
34)
Helmholtz, Ueber die Wechselwirkung (Anm. 16), S. 67.
35)
Vgl. z.B. Ludwig Dressel, Der anthropologische Gottesbeweis auf Grund des Entropiesatzes, in: Stimmen aus Maria-Laach 76 (1909) 150–160.
36)
Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente, in: Kritische Studienausgabe in 15 Bdn., hg. von G. Colli u. M. Montinari. München und New York 1980, Bd. 12, S. 205.
37)
Friedrich Engels, Dialektik der Natur. Notizen und Fragmente, in: MEW (Anm. 18), Bd., 20, S. 545.
38)
Vgl. (Art.) in: Historisches Wörterbuch der Philosophie (Anm. ), Bd. 9, S. 1295.
39)
Vgl. Mai Wegener, Der psychophysische Parallelismus, in: NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin, August 2009, Bd. 17, H. 3, S. 277-316.
40)
Stumpf Carl, Eröffnungsrede zum 3. Internationalen Kongress für Psychologie in München 1896. Acten des dritten internationalen Congresses für Psychologie in München 1896. München 3–16. Dazu auch Ludwig Busse, Die Wechselwirkung zwischen Leib und Seele und das Gesetz der Erhaltung der Energie (1900), in: Philosophische Abhandlungen. Christoph Siegwart zu seinem Sechzigsten Geburtstag gewidmet, Tübingen 1900, S. 89-125. Henri Bergson, Hirn und Denken. Eine philosophische Illusion, in: ders., Die seelische Energie, Jena 1928.
41)
Vgl. Günter Gödde, Der Kraftbegriff bei Freud. Physiologische und psychologische Verwendungen, in: Brandstätter, Windgätter, Zeichen der Kraft (s. Anm. 21), S. 228-246. Sigmund Freud, Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität (1908), in: Gesammelte Werke Bd. VII, Frankfurt a. M. 1999, S. 141-167. Ders., Entwurf einer Psychologie (1895), in: ebd., Nachtragsband, 373-486.
42)
Sigmund Freud, Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität, in: Das Unbehagen in der Kultur und andere kulturkritische Schriften, Frankfurt a.M. 1997, S. 109-132, hier S. 117.
43)
Vgl. Michael Gamper: Masse als Kraft. Energetische Konzepte des Sozialen, in: Gronau, Szenarien der Energie, S. 28. Joseph Vogl, Masse und Kraft, in: Brandstätter, Windgätter, Zeichen der Kraft (s. Anm. 4), S. 187-197.
44)
Robert Julius Mayer, Über Auslösung, in: Bes. Beilage d. Staatsanzeigers für Würteberg (1876), Nr. 7, S. 104-107.
45)
Wilhelm Ostwald: Energetische Grundlagen der Kulturwissenschaft (= Philosophisch-soziologische Bücherei, XVI), Leipzig 1909.
46)
Georg Helm, Lehre von der Energie, Leipzig 1887.
47)
Max Weber, Energetische Kulturtheorien. In: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. 1909, S. 400–426, hier 402.
48)
Vgl. Tatjana Petzer, Übertragungsphantasien in der russischen Moderne, in: Gronau, Barbara (Hg.): Szenarien der Energie. Zur Ästhetik und Wissenschaft des Immateriellen, Bielefeld 2013, S. 45-66, S. 54.
49)
Vgl. Bernhard Siegert, Am Ende der Kräfte. Von der thermodynamischen zur nachrichtentheoretischen Welt, in: Brandstätter/Windgätter, Zeichen der Kraft (s. Anm. 4), S. 273 ff.
50)
„Information is information not matter or energy“. Norbert Wiener, Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine (1948), New York 1961, S. 132.
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