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begriffe:zucht

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 ====== Zucht ====== ====== Zucht ======
  
-auch: Züchtung, Zucht(wahl),​ natürliche+Auch: Züchtung, Zucht(wahl),​ natürliche
  
  
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-^ idg./ westgerm./ as./ ahd.   ​|*deuk-/​ *tuhti; *tuhtiz/ tuht/ zuht   |^Synonyme ​       |Disziplin | +^ idg./ westgerm./ as./ ahd.   ​|*deuk-/​ *tuhti; *tuhtiz/ tuht/ zuht   |^ engl.   ​|breedbreeding ​     | 
-^ engl.   ​|breedbreeding ​     ​|^Gegenbegriffe ​  ​| ​+^ franz. ​ |élevage ​    |^Gegenbegriffe ​  | | 
-^ franz. ​ |élevage ​    |^Unterbegriffe ​  | | +^ Wortfeld|Disziplin, ​AnzuchtAufzuchtNeuzüchtung ||||
-^ Wortfeld|AnzuchtAufzuchtNeuzüchtung ||||+
  
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 ===== Disziplinäre Begriffe ===== ===== Disziplinäre Begriffe =====
  
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 === Begriffsgeschichtliche Arbeiten === === Begriffsgeschichtliche Arbeiten ===
  
-  * Gehring, Petra: (Art.) Züchtung, in: Joachim Ritter u.a. (Hrsg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie,​ Bd. 12. Basel (Schwabe) ​2005Sp. 1395-1402. +  * Gehring, Petra: (Art.) Züchtung, in: Joachim Ritter u.a. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie,​ Bd. 12. Basel2005Sp. 1395-1402.
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-|**Inhalt**:​ Obgleich das selbstständige Substantiv '​Züchtung'​ erst in der Neuzeit erscheint, kennt bereits die griechisch-römische Antike und das frühe Christentum den Begriff. Folglich erörtert der vorrangig wissenschaftsgeschichtliche Artikel den Begriff Züchtung beginnend mit Platon, wo er sich auf die Fortpflanzung unter den Menschen und eine Außwahl der '​edelsten'​ bezieht. In Anlehnung hieran werden in der utopischen Literatur der Neuzeit wiederum Zuchtprogramme artikuliert,​ die sich auf den Menschen und das hervorbringen eines '​Idealstaates'​ beziehen (Biopolitik). Bei Darwin wird der Begriff der Zuchtwahl ausgeweitet zu dem umfassenden Bildungsprinzip der gesamten (organischen) Natur, wobei die Natur deutlich bessere Züchtungen hervorbringt als der Mensch. Darwin ist bestrebt die voluntaristische Zuchtvorstellung einzugrenzen. Dieser Gedanke wird aber schnell fallen gelassen, wobei kulturtheooretisch orientierte Evolutionskonzepte auftreten. F. Galton begründet in der Folge die Eugenik als angewandte Wissenschaft. Erneut werden biopolitische Konzepte/ Maßnahmen diskutiert. Eugenisches Gedankengut hat gegen Ende des 19. und im frühen 20. Jhd. Konjunktur, wobei es um 1900 zu ersten, für die politische Umsetzung entworfenen,​ Zuchtprogrammen kommt. So lautet die Frage eines Preisausschreibens:​ "Was lernen wir aus der Decendenztheorie in Beziehung auf die innerpolitische Entwicklung und Gesetzgebung der Staaten?"​ (Preisträger ist E. Schallmayer der eine Ethik des Rassendienstes,​ die die Fruchtbarkeitsauslese künstlich beeinflussen soll, entwirft).\\ Die Euthanasie-Programmatik des Dritten Reichs ist stark beeinflusst durch eine malthusianisch orientierte Theorie von K. Binding und A. Hoche, welche 'die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens'​ thematisiert. Nach dem Ende des Dritten Reichs wird der eugenische Zuchtgedanke entpolitisiert und verdrängt. Im deutschsprachigen Raum rührt dann erst wieder die Debatte um Genmanipulation an "die heikle Frage nach der Legitimität eines Zugriffs"​ auf den humanen Genotyp. Im anglo-amerikanischen Raum wird allerdings bereits seit den 60er Jahren die Eugenik erneut im Rahmen von Zukunftsvisionen thematisiert,​ was allerdings in philosophischen Kreisen auf Ablehnung stößt. Die Diskussion um die Möglichkeiten der Gentechnologie werden derzeit stark thematisiert,​ wobei die angloamerikanische Wissenschaft weniger vorbehalte gegenüber der gentechnischen Modifikation des Menschen pflegt, als etwa die Deutsche. \\ Parallel zu dem '​eugenischen Strang'​ des Zuchtbegriffes teilt sich am Ende des 19. Jhds. der Zuchtbegriff in den Gedanken der Erziehung und den der Vererbung. Otto Spenger ist hier bedeutsam, da er die beiden Begriffe in eine direkte Entgegensetzung bringt.\\ Jüngster Literaturhinweis 2003.|+
  
 Siehe auch: Siehe auch:
  
-  * Spaemann, R. u. a.: (Art.) Freiheit IV, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg.v. J. Ritter. Bd. 2, Basel/​Stuttgart,​ 1972, Sp. 1065 - 1098.+  * Spaemann, R. u. a.: (Art.) Freiheit IV, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hg.v. J. Ritter. Bd. 2, Basel/​Stuttgart,​ 1972, Sp. 1065-1098.
  
 === Sonstige Literatur === === Sonstige Literatur ===
  
  
-  * Gering, Petra: Zwischen Menschenpark und soft eugenics. Zur Aktualität und zu den hermeneutischen Verlegenheiten des Züchtungsbegriffs. In: Internationales Jahrbuch für Hermeneutik 2 (2003S. 81-112.+  ​* Bayertz, K.: Zur Funktion analogischer Argumente in der Wissenschaft – Das Züchtungsproblem in der Evolutionstheorie Darwins. In: ders. (Hg.), Organismus und Selektion - Probleme der Evolutionsbiologie. (Aufsätze und Reden der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Bd. 35), 1985, S. 23-37. 
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 +  ​* Gering, Petra: Zwischen Menschenpark und soft eugenics. Zur Aktualität und zu den hermeneutischen Verlegenheiten des Züchtungsbegriffs. In: Internationales Jahrbuch für Hermeneutik 22003S. 81-112.
  
   * Russel, N.: Like Engender’ing Like. Heredity and Animal Breeding in Early Modern England. Cambridge, 1986.    * Russel, N.: Like Engender’ing Like. Heredity and Animal Breeding in Early Modern England. Cambridge, 1986. 
-    * Rezension: Liliane Bodson, in: Archives Internationales d’Histoire des Sciences 41 (1991S. 159-160.+    * Rezension: Liliane Bodson, in: Archives Internationales d’Histoire des Sciences 411991S. 159-160.
  
   * Schank, Gerd: "​Rasse"​ und "​Züchtung"​ bei Nietzsche. Berlin, 2000.   * Schank, Gerd: "​Rasse"​ und "​Züchtung"​ bei Nietzsche. Berlin, 2000.
begriffe/zucht.txt · Zuletzt geändert: 2017/11/16 15:11 von claus